Maison d’Eglise – Genf
«Der Sommer 2018 wird wie eine tiefe Wunde bleiben: der Brand, die schwer beschädigte Kirche, die Fassungslosigkeit der Gemeindemitglieder, der Menschen im Quartier und in der Stadt. Aber kann uns diese Katastrophe, so dramatisch sie auch ist, die Gelegenheit geben, das Sacré-Cœur der Zukunft mit einem neuen Gründungsgeist zu entwerfen?»
Diese Frage stellte Philippe, Präsident des Pfarreirats der Kirche Sacré-Cœur in Plainpalais, im Zentrum von Genf. Am 19. Juli 2018 zerstörten die Flammen das Dach des Sakralbaus; das Löschwasser beschädigte Putz und Gebäudetechnik.
Das Gebäude wurde unbenutzbar. Alles schien verloren. Der Brand hatte einen Grossteil der Nutzung beeinträchtigt und den Abbruch sämtlicher Aktivitäten erzwungen. Die Türen blieben geschlossen. Die Zeit schien abgelaufen. Beim Blättern durch die Seiten seiner Geschichte zeigt sich: Dieses mächtige Gebäude entstand nicht nach den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche.
Es wurde ab 1858 als Freimaurertempel errichtet, dessen Linien – mit der imposanten Kolonnade – an das antike Griechenland erinnern. 1873 fand die Pfarrei Sacré-Cœur hier ihre Heimat, und 1939 wurde das Gebäude für die Bedürfnisse des katholischen Gottesdienstes umgebaut. 2018 schien der verheerende Brand die Glocke ein letztes Mal geläutet zu haben.
Doch Philippe und seine Gemeinde sagten Ja. Ja, man kann neu beginnen, erneuern, ein Projekt für kommende Generationen schaffen.
Sie werden erhebliche Mittel investieren, um den Tempel zu verwandeln. Es wird weiterhin eine Kirche sein, aber vor allem das Zuhause der Kirchgemeinde – der Ort, an dem die Gemeinschaft zusammenkommt und lebt.

Die innovative Entscheidung
atelier ribo+ ist verantwortlich für den Entwurf der Wiedergeburt der Kirche Sacré-Cœur zur Maison d’Eglise. Das Projekt geht auf ein Mandat zurück, das dem Atelier dank seiner über Jahre gereiften Fähigkeit, an historischer Bausubstanz zu arbeiten, sowie seines konsequent ethischen Umgangs mit den Gebieten übertragen wurde.
Im Kern des Erneuerungsprojekts stehen Werte. Jene, die das Zweite Vatikanische Konzil definiert hat und die eine aktive Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie fordern. Der Altar wird im Zentrum stehen, die Bänke darum herum – die Menschen werden einander ins Gesicht schauen und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen.
Die Kirche wird von der französischsprachigen und der spanischsprachigen Pfarrei genutzt. Auch die Büros der römisch-katholischen Kirche in Genf werden hier untergebracht. Zum religiösen Aspekt gesellt sich so der soziale und kulturelle.
Die Entscheidung lautet, die Kirche als sakralen Ort der Gemeinschaft im 21. Jahrhundert neu zu denken – als Bezugspunkt für die Gläubigen, aber auch als soziokultureller Motor im städtischen Kontext.
Mehr Zugänglichkeit über die horizontale Achse öffnet das Gebäude in all seinen neuen Funktionen als physische und spirituelle «Brücke». Im Zentrum des Baus kreuzt diese Achse die vertikale Achse Himmel–Erde–Himmel und tritt mit ihr in Dialog.

Schluss
Der Brand zerstörte 2018 die Kirche Sacré-Cœur, doch es gibt ein Feuer, das grösser ist als das der Flammen: jenes, das in der Pfarrgemeinde brennt.
Es ist der Geist, der sie beseelt, die Wärme der Menschlichkeit, die sie durchdringt. Es ist jener Schwung, der in der Katastrophe die Chance erkennt, Undenkbares zu denken, eine Vision zu verwirklichen, ein Versprechen, einen Traum.
Und der Traum ist, die Kirche nicht nur als Ort des Gebets zu sehen, sondern ein Zuhause um sie herum zu schaffen – einen Treffpunkt für die Gemeinschaft in jedem Moment des sozialen und kulturellen Austauschs. Es ist der Wunsch nach einer Kirche, die stets lebendig bleibt.
