InComune – Castel San Pietro
«Wir gingen in die Fabrik, in unseren schönen weissen Kitteln, alle an unseren Arbeitsplätzen, und aus unseren Händen entstanden elegante Uhren. Jeder wollte eine am Handgelenk tragen.»
Giovanna sass viele Jahre lang mit ihren Kolleginnen bei der Diantus Watch in Castel San Pietro und montierte Uhren. In den sechziger und siebziger Jahren führte die Durchsetzung einer auf Massenkonsum ausgerichteten Gesellschaft zu Investitionen in die Produktion klassischer Modelle für jedes Budget.
Dann kamen die Globalisierung, Fusionen, Rationalisierungen. Heute steht das Gebäude der ehemaligen Uhrenfabrik seit langem leer. Die Gemeinde begann, über eine Transformation des gesamten Sektors nachzudenken, das Gebäude zu erwerben, neue Perspektiven für den Ort zu entwerfen.
Giovannas Enkelkinder werden in die Hallen der ehemaligen Uhrenfabrik zurückkehren. Doch statt des Tickens werden sie Möglichkeiten der Begegnung und Kultur erleben, Dienstleistungen, Wohnungen, einen Platz und Parkplätze entdecken.

Die innovative Entscheidung
Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Castel San Pietro und atelier ribo+ ermöglichte die Entwicklung einer städtebaulichen Analyse eines Sektors, der sich aus öffentlichen und privaten Liegenschaften zusammensetzt und am Eingang des historischen Ortskerns liegt. Diesen Sektor mit Dienstleistungen auszustatten, ist der Schlüssel zur Aufwertung des gesamten Ortes und zur Sicherung der Attraktivität der Gemeinde. Die Herausforderung bestand darin, eine optimale und funktionale Anordnung von Dienstleistungen zu schaffen und so eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.
Das Transformationsprogramm gliedert sich in drei Phasen.
Die erste Phase konzentriert sich auf die Revitalisierung des ehemaligen Gebäudes der Diantus Watch mit Renovation und Modernisierung sowie auf die Aufwertung der Aussenbereiche. Hier entsteht das C.Lab (Castello Laboratorio): ein Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen, multifunktionale Innen- und Aussenflächen sowie kreative und geschützte Werkstätten.
Die zweite Phase sieht den Abbruch bestehender Gebäude und den Bau eines zweistöckigen Parkhauses mit über 100 gedeckten Parkplätzen sowie Wohnungen für ältere Menschen und Familien vor.
Anschliessend folgt die Schaffung von Dienstleistungen: Räumlichkeiten für Vereine, Postfiliale, Apotheke, Arztpraxis und Läden sowie die Aufwertung der Gründächer und des darüberliegenden Parks.
Die dritte Bauphase umfasst die Erstellung des Parks, des Amphitheaters und des Veranstaltungsbereichs bei gleichzeitigem Abbruch bestehender Strukturen.

Das neue C.Lab
Der Wohnsektor umfasst folgende Einrichtungen: einen städtischen Kindergarten (in Erweiterung begriffen), eine Postfiliale, einen Raum für lokale Vereine, eine Verkaufsstelle der örtlichen Genossenschaft sowie das Gemeindelager und die Sammelstelle.
Der Sektor ist zudem durch die Präsenz der ehemaligen Diantus Watch geprägt – der Uhrenfabrik, die sich als Chance für eine Reaktivierung in Synergie mit dem gesamten Quartier anbietet.
Das Gebiet verfügt über zwei bedeutende Freiflächen: einen öffentlichen Spielplatz und den öffentlichen Park, der auf dem Gelände der Villa Buenos Aires (1969 abgerissen) angelegt wurde.
Die Entwicklung der ersten Phase des Zentrumsareals, mit Schwerpunkt auf der Revitalisierung des ehemaligen Gebäudes der Diantus Watch, wurde atelier ribo+ übertragen. Das Büro erkannte den historischen Wert des Baus und schlug vor, mit einem Konzept der Restaurierung moderner Architektur einzugreifen: Sämtliche Innenräume werden weiterentwickelt und erneuert, die bestehende Gebäudehülle bleibt erhalten.
Das Programm
Erschliessung und Parkierung
Neues Parkhaus (100 gedeckte und 20 ungedeckte Parkplätze). 80 weitere Parkplätze sind gemäss Masterplan an einem weiteren strategischen Standort vorgesehen. Neuordnung der Strassenführung im Quartier.
Wohnen
Neue Wohnbauten mit durchmischtem Angebot für junge Familien und ältere Menschen.
Dienstleistungen
Laden / Postfiliale / Arztpraxis / Apotheke. Angebote für Familien, Kinder und Senioren / Ausstellungsflächen / Kreativ- und geschützte Werkstätten. Multifunktionale Innen- und Aussenräume.
Aussenräume
Neuer Platz / Amphitheater für Veranstaltungen und Parkneugestaltung / Spielplatz.

Aussenräume – Details
Die geplanten Aussenflächen:
Neuer Park (über dem neuen Amphitheater) von ca. 1’800 m². Neuer Veranstaltungs- und Begegnungsbereich mit Amphitheater von ca. 2’000 m². Grosser Spiel- und Erlebnispark von ca. 1’300 m².
Zusätzlich ist vorgesehen: Die Einrichtung einer Sammelstelle an strategischer Lage mit angrenzenden Parkplätzen und direktem Zugang von der Hauptstrasse. Die Modernisierung der Bushaltestelle gemäss den neuen Richtlinien. Die Erneuerung der öffentlichen Beleuchtung im Einklang mit den aktuellen Vorgaben zu Energieeffizienz und Lichtverschmutzung. Das Beleuchtungskonzept wird so gestaltet, dass es die neuen und bestehenden Räume aufwertet.
Flexibler Veranstaltungsbereich
Ein Veranstaltungsareal von rund 3’800 m². Der neue Veranstaltungs- und Begegnungsbereich von etwa 2’000 m² mit einem in das natürliche Geländegefälle integrierten Amphitheater und der neue Park über dem Amphitheater von rund 1’800 m² bilden zusammen den neuen Dorfplatz.
A) Fasnacht
B) Openair-Kino im Sommer
C) Weihnachtsmarkt und Eisfeld
D) Aufführungen, Feste, Begegnungen (Grand Tour of Switzerland), Konzerte.

Schluss
Es gab einst in Castel San Pietro eine Fabrik der Zeit. Dort entstanden die Instrumente, die man am Handgelenk trug, um das Vergehen der Stunden zu messen.
In Castel San Pietro wird es künftig eine neue Fabrik der Zeit geben. Es wird keine lineare Zeit sein, man wird sie nicht auf einem Zifferblatt ablesen müssen. Es wird ein Labor sein, um Zeit zu erfinden, sie freizusetzen, Momente der Begegnung, der Vertiefung, der Freizeit und der Kultur zu schaffen.