Dolcevita — Muralto
«In der Vergangenheit blockierten grosse staatliche Unternehmen Bauland in den Städten, um dort ihre strategischen Einrichtungen zu errichten. Das Gesicht mancher Ortschaften wurde so in mehreren Fällen von grossen, anonymen Gebäuden geprägt, die der Funktionalität den Vorzug vor der Ästhetik gaben. Diese Bauten, die am Rand der Ortschaft entstanden waren, fanden sich mit der fortschreitenden Entwicklung in zentralen Lagen wieder. Im Lauf der Zeit verloren jedoch die Gebäude, die den Bürgern Dienstleistungen bieten sollten, an Funktionalität. Die Einführung neuer Technologien reduzierte den Bedarf an Fläche und Personal. So leerten sich die Gebäude und wurden zu hohlen Betonfossilien, nahe am Herzen der Stadt.»
Dies sind die Gedanken von Carla, einer Fachfrau, die viel von der Welt gesehen hat und sich vor Jahren entschieden hat, in Muralto zu leben — wenn sie am Gebäude an der Via Vincenzo D'Alberti vorbeigeht, das einst von der PTT erbaut wurde, bevor es an Swisscom überging.
Seit 2017 empfindet Carla neue Gefühle, wenn sie die Via D'Alberti entlanggeht. Jener zyklopische Quader mit Bunker-Anmutung ist nicht mehr da; an seiner Stelle entstand die Residenz Dolcevita.
Neue Symmetrien, neue Linien, neue Räume: Eleganz und Raffinesse, Funktionalität und Charme.

Die innovative Entscheidung
Die Residenz Dolcevita ging aus einem Ideenwettbewerb hervor, der 2011 ausgeschrieben wurde. Unter den drei eingereichten Projekten setzte sich das von RIBO architectures (heute atelier ribo+) realisierte durch.
Ausschlaggebend war die Vision von ribo+: der Mut, einen Rückbau des Volumens nach zeitgemässeren Linien vorzuschlagen, die besser mit dem Kontext in Dialog treten und den Bewohnern ein besseres Wohnerlebnis bieten.
Darin liegt der tiefe Sinn einer Vision, die darauf abzielt, unausgeschöpfte Potenziale zu reaktivieren, Territorien neu zu beleben und eine nachhaltige Perspektive zu verfolgen.
Ein Projekt, das den Anspruch des Ateliers widerspiegelt, sich als Gesamtheit von Visionen und Kompetenzen zu präsentieren — als Unternehmen, das der Erfahrung des Einzelnen einen Mehrwert verleihen kann.

Erhalten, abbrechen, neu bauen
Die grundlegende architektonische Entscheidung bestand darin, das oberirdische Volumen abzubrechen und das unterirdische beizubehalten. Eine Lösung, die auch von der Geschosshöhe von 4,20 m bestimmt wurde — zu gering für ein Mezzanin und zu grosszügig für die Beibehaltung eines einzigen Geschosses.
1. Umgestalteter Teil — Unterirdisches Volumen. Erhaltung des Bestehenden. Reaktivierung. Beseitigung dessen, was der Nutzungswechsel überflüssig gemacht hat.
2. Schnittstelle — Erdgeschoss. Übergangsplatte mit 60 cm Stärke; der Übergang, der Empfang.
3. Neuer Teil — Oberirdisches Volumen. Rückbau. Planimetrische Freiheit. Hohe Dichte. Optimales Verhältnis zum Kontext:
a) Tagsüber: Blick auf den aktiven Kontext.
b) Nachts: Ruhe, Schutz und Intimität.
Technische Lösungen
Aktive Verankerungen an der unterirdischen Betonwand und Realisierung eines Exoskeletts an den Seiten derselben.
Mikropfähle als Fundation, positioniert jenseits des bestehenden Gebäudegrundrisses, um der Neubaustruktur eine adäquate Abstützung zu bieten. Realisierung einer neuen Übergangsplatte von 60 cm für die Übertragung statischer und seismischer Kräfte aus den Obergeschossen.
Neue Geselligkeit in einem Zen-Ambiente
Das neue Gebäude findet sein Zentrum, sein Herz, in der Schaffung eines Innenhofs, der einen Gemeinschaftsraum definiert — ein Ort, der zu neuer Geselligkeit einlädt.
Die Raffinesse eines Zen-Gleichgewichts zeigt sich nicht nur in der Harmonie des Gartens, sondern auch in den Paneelen und Zeichen der Gemeinschaftsbereiche, die Bilder von Schönheit und Energie tragen.
Nachhaltige Entwicklung
Die Residenz beherbergt weiterhin in einem kleinen Teil des Untergeschosses eine Festnetzanlage, während der Mobilfunkdienst über ein Gateway bereitgestellt wird, das in ein grünes Totem mit Jasminpflanzen verwandelt wurde — nach Überprüfung der elektromagnetischen Feldwerte, die die Sicherheitsgrenzwerte weitgehend einhalten.

Eine mediterrane Ecke
Die U-förmige Anordnung der Residenz ermöglicht es, dass mehr Wohnungen Terrassen mit Südausrichtung zum Lago Maggiore erhalten.
Der Fels und das Wasser, die Pflanzenarten: Palmen und exotische Bäume treten in Dialog mit der umgebenden Landschaft und heben die Besonderheit dieses Ortes hervor — eine mediterrane Ecke am Fuss der Alpen.

Schluss
Von Muralto aus sieht man an den Tagen, an denen die Maggiore weht, das klare Wasser des Verbano, gekräuselt von weissem Schaum.
Es ist der Kreislauf der Natur, der Dinge, der Zeit: Auf Phasen der Stagnation und des Gleichgewichts folgen Momente der Krise und der Verwandlung.
Man muss die Wellen des Wandels nicht fürchten, sondern lernen, sie zu reiten — damit sie das Überflüssige hinwegspülen und das Wertvolle schneller an die Ufer der Zukunft tragen.